Das Kreuz-Darmbein-Gelenk ( ISG )
Das Iliosacralgelenk (ISG) verbindet das Kreuzbein als Fundament der Wirbelsäule rechts und links mit den Darmbeinen, mit denen es den Beckenring bildet. Auf Grund straffe Bandverbindungen hat es eine nur minimale Beweglichkeit, aktive Gelenkbewegungen können nicht durchgeführt werden.
Beschwerden im ISG-Bereich können durch folgende Erkrankungen verursacht werden:
1) Funktionelle Störungen:
Wie jedes Gelenk hat auch das ISG ein Gelenkspiel, in dessen Rahmen geringe Bewegungen möglich sind. Wie von der Wirbelsäule bekannt, kann es auch im ISG zu Störungen der Gelenkbeweglichkeit (Blockierungen) kommen (Das Gelenk ist ausgerenkt). Ursache ist oft ein Verheben, ein Tritt in das Leere z.B. beim Übersehen einer Treppenstufe. Diese Blockierung kann aber auch als sog. Begleitblockierung bei Erkrankungen der Lendenwirbelsäule auftreten. Die Beschwerden sind tief im unteren Kreuz lokalisiert, meist einseitig und verstärken sich vor allem nach längerem Sitzen und beim Anheben des Beines ( Hose anziehen ). Manchmal tritt auch eine Ausstrahlung bis in das Gesäß oder in der Oberschenkelrückseite auf.
Ein chirotherapeutisch ausgebildete Arzt kann diese Funktionsstörungen diagnostizieren und mit manualtherapeutischer Behandlung beheben. ( ISG-Blockierung, Beckenverwringung ). Bei wiederholten Blockierungen ist zusätzlich eine krankengymnastische Behandlung zur Stabilisierung der Becken- und Rumpfmuskulatur erforderlich. Bei stärkeren Schmerzzuständen evtl. analgetische (schmerzreduzierende ) phys. Therapie mit Interferenzströmen oder Ultraschallbehandlung und medikamentöse Behandlung.
Insbes. bei überbeweglichen Menschen mit Bindegewebsschwäche kann es zu schmerzhafter Überlastung der Bandverbindungen zwischen den einzelnen Beckenknochen kommen. Hier treten die Beschwerden insbes. nach längerem Stehen (Cocktailparty-Syndrom) oder längerem Liegen ( frühmorgens im Bett auf ).
Therapeutisch ist hier eine zur Stabilisierung der Becken- Rumpfmuskulatur durch Krankengymnastik empfehlenswert.
2) Degenerative Veränderungen ( Arthrose)
Wie in allen Gelenken kann es auch in den ISG zu Verschleißerscheinungen kommen. Diese treten jedoch rel. selten spontan auf, meist entstehen sie Bandzerreißungen und Beckenbrüchen. Die Behandlung besteht aus krankengymnastischer Behandlung, physikalischen Anwendungen und evtl. Spritzenbehandlung der schmerzhaften Gewebsareale.
3) Entzündliche Veränderungen (Rheumatische Ursache)
Im Rahmen vieler entzündlich-rheumatischer Erkrankungen kann es neben Befall der Wirbelsäule und der Extremitätengelenke auch zu einer Miterkrankung der ISG kommen. Hier handelt es sich vor allem um den M. Bechterew, bei dem es zu einer röntgenologisch typischen Veränderung der ISG kommt, welche im Spätstadium zur knöchernen Überbrückung und Versteifung der ISG, aber auch der Wirbelsäule führen kann. Entzündlich-rheumatische Veränderungen können auch bei Schuppenflechte, bei Virus- oder bakteriellen Erkrankungen sowie bei Magen - Darmerkrankungen auftreten.
Im Frühstadium sind die Beschwerden uncharakteristisch und oft nicht von anderen ISG - Erkrankungen zu unterscheiden. Es finden sich tiefsitzende ziehende Beschwerden, oft beidseitig in den ISG ohne wesentliche Ausstrahlung.
Zur Diagnostik werden neben einer Blutuntersuchung in aller Regel Röntgenbilder angefertigt, oft sind zusätzlich auch Knochenszintigramm ( bildgebendes Verfahren zur Sichtbarmachung von entzündliche Knochen- und Gelenkveränderungen) und Computertomographie erforderlich.
Oft kann die endgültige Diagnose erst nach Monaten oder sogar Jahren nach Beschwerdebeginn gestellt werden.
Therapeutisch muss bei den sogenannten reaktiven Entzündungen zuerst die Grunderkrankungen behandelt werden, zusätzlich entzündungshemmende Medikamente und physikalische Therapie mit Krankengymnastik.